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FernUni-News - Argumente

Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg

Interview mit dem Vorsitzenden des Hochschulrats der FernUniversität

Im September 2010 hat Dr. Manfred Scholle den Hochschulratsvorsitz in Hagen von Dr. Dr. h. c. Jörn Kreke übernommen. Während es für Dr. Kreke in den ersten Jahren des Hochschulrates zunächst darum ging, in der Gesellschaft, in Wirtschaft und Politik Akzeptanz, ja Verbündete für die Hagener Hochschule zu finden, hat Dr. Scholle heute neue Themen. Die FernUni-NEWS sprach mit ihm über seine Aufgabe.

Frage: Die FernUniversität wird mit ihrem flexiblen Studiensystem in den letzten Jahren enorm nachgefragt. Was macht sie für so viele Studierende interessant?

Dr. Manfred Scholle

Dr. Scholle: Die FernUniversität bietet für viele Menschen die einzige Chance, sich beruflich weiter zu qualifizieren und zu studieren. Unsere veränderten Lebensverhältnisse erfordern einerseits dieses lebenslange Lernen. Andererseits machen sie es ihnen unmöglich an einer Präsenzuniversität zu studieren. Die FernUniversität füllt hier eine ganz zentrale Lücke, die sich hier auftut – nicht in Konkurrenz zu den Präsenzuniversitäten sondern in Ergänzung zu ih­nen. Wir erfüllen somit eine wichtige Funktion im Bildungssystem der Bundesrepublik. Das haben übrigens die Bildungspolitiker über alle Parteigrenzen hinweg erkannt.

Frage: Durch die großen Studierendenzahlen gerät die FernUniversität zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Wo sehen Sie einen Ausweg?

Dr. Scholle: Bereits heute haben wir mit mehr als 74.000 Studierenden einen gewaltigen Zuwachs zu verzeichnen. Hinzu kommen in den nächsten Jahren die Abiturienten nach der verkürzten Gymnasialzeit und durch die Abschaffung des Wehrdienstes. Eine weitere Gruppe sind die Menschen, die über eine berufliche Qualifikation ins Studium kommen. Bedarf für insgesamt 100.000 Studierende an der FernUniversität haben wir ermittelt. Wir müssen also möglichst kurzfristig unsere Kapazitäten ausbauen. Dazu benötigen wir weitere Professorinnen und Professoren und Beschäftigte im Mittelbau, um die Studierenden ausbilden und betreuen zu können. Der Finanzbedarf wächst dadurch um 30 bis 35 Mio Euro pro Jahr.

Frage: Zwei Drittel der FernUni-Studierenden kommen nicht aus Nordrhein-Westfalen, aber das Land zahlt zwei Drittel unserer Kosten – ist das in dieser Situation gerecht?

Dr. Scholle: Es ist bewundernswert und weitsichtig, dass Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit uns diese FernUniversität entwickelt hat, und zwar als notwendige Ergänzung im deutschen Bildungssystem. Angesichts der aktuellen Situation stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie die Finanzierungsbasis zu verbreitern ist. Wir müssen prüfen, ob der Bund und die anderen Länder jetzt kurzfristig bereit sind, sich an einer dauerhaften Finanzierung dieser Universität zu beteiligen.

Frage: Wie könnte ein alternatives Finanzierungsmodell für die FernUniversität aussehen?

Dr. Scholle: Danach müssen jetzt die Juristen fahnden. Es gilt zwischen föderalistischen Zuständigkeiten und verschiedenen Förderprogrammen nach Wegen zu suchen, die eine gemeinsame dauerhafte Finanzierung möglich machen. Wenn die Beteiligten, also neben der FernUniversität und dem Land NRW auch der Bund und die anderen Länder, wenn also alle es wollen, gibt es immer auch eine juristische Konstruktion zur verfassungsgemäßen Realisierung. Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg.

Frage: Was wollen Sie persönlich tun, um den Bund, um die Länder von einer Beteiligung an der Finanzierung unserer Universität zu überzeugen?

Dr. Scholle: Ich möchte die Hochschulleitung dabei unterstützen und Wege ebnen, wo ich es vermag. Auf der politischen Ebene haben sich zum Bund ja bereits die Kontakte entwickelt. Jetzt wird die Hochschulleitung möglichst bald mit einer Präsentation ihres Portfolios in den Länderparlamenten um Unterstützung werben – Wir möchten natürlich alle anderen Bundesländer gerne mit im Boot haben. Es geht ja darum, bundesweit für breite Schichten die notwendigen Studienplätze bereit zu stellen. Für Berufstätige, für junge Menschen in der Familienphase, für Personen mit einer Behinderung, für alle Gruppen also, die nur auf diesem Wege die Möglichkeit zu einem Studium haben. Der Finanzbedarf von 30 bis 35 Mio Euro zusätzlich ist im Grunde gering, um diesen Menschen in allen Bundesländern und im deutschsprachigen Ausland ein Studium zu ermöglichen. Das wissen auch die Bildungspolitiker.

Susanne Bossemeyer | 08.03.2011
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