„Ich hatte schon immer ein großes Interesse an der Mathematik“, erzählt David Schiess. „Besonders ihre Eleganz, d. h. wenn ein Beweis elegant geführt wird, finde ich sehr beeindruckend.“ Der Schweizer hat Ende 2007 sein Bachelorstudium in Mathematik an der FernUniversität in Hagen erfolgreich abgeschlossen. Den Master Mathematik - Methoden und Modelle hängt er gleich hinten an.
David Schiess
Vorteile für wissenschaftliche Arbeit
Dabei ist er erst auf Umwegen zum Mathestudium und zur FernUni gekommen. „Früher dachte ich immer, mit Mathe kann man nur Lehrer oder Forscher werden“, schmunzelt er. So entschloss sich der heute 31-jährige zunächst, Volkswirtschaftslehre (VWL) an der Universität St. Gallen zu studieren. Von 2003 bis 2007 promovierte er in seinem Studienschwerpunkt „Quantitative Methoden und Finanzmarkttheorie“ im Fachbereich Mathematik und Statistik. Seit 2000 arbeitet er dort zudem als Assistent. Schnell war klar, dass ein zusätzliches Mathematikstudium viele Vorteile hätte. „Die Fähigkeiten, die man im Mathestudium erwirbt, kann man auch für andere Gebiete wie die VWL gut gebrauchen“, erklärt David Schiess. Gerade die Finanzmarkttheorie ist z. B. mathematisch angelegt.
Neben der Dissertation und der Arbeit im Fachbereich blieb jedoch wenig Zeit für ein Präsenzstudium. Ein Kollege brachte ihn schließlich auf die FernUniversität in Hagen. „Er studierte bereits in Hagen und war sehr zufrieden damit“, erinnert sich David Schiess. Im Wintersemester 2003/ 2004 schrieb er sich in den Bachelorstudiengang Mathematik (Nebenfach Informatik) ein. „Das Studium passte gut zu meiner Dissertation und zur Arbeit im Fachbereich – das pure Interesse war aber ebenfalls nach wie vor da“, berichtet Schiess.
Die Entscheidung hat er nicht bereut. „Mit den Skripten und dem Fernstudium insgesamt kam ich problemlos zurecht“, meint er. Die schriftlichen Prüfungen legte er im Studienzentrum in Bregenz ab, für die mündlichen reiste David Schiess jeweils nach Hagen. Auch die Zusammenarbeit mit den Professorinnen und Professoren klappte hervorragend. Auf Basis seiner Bachelorarbeit hat er mit Prof. Dr. Winfried Hochstättler und Robert Nickel von der FernUniversität ein Paper mit dem Titel "Mixed Matching Markets" geschrieben. Das Paper wird demnächst auf einer amerikanischen Konferenz präsentiert werden. Es dreht sich um „Matching Theory“, Graphentheorie und Algorithmik. Nur abstrakte Theorie, die keiner versteht und keiner braucht? Im Gegenteil. „Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielseitig“, bekräftigt Schiess. Eine davon sind Preismechanismen am Arbeitsmarkt. Preise sorgen an den Märkten für Gleichgewichte. In seiner Arbeit hat er ein Modell entwickelt, mit deren Hilfe man Gleichgewichte an Arbeitsmärkten untersuchen kann, an denen tariflich gebundene Arbeitnehmer neben Freelancern existieren. Die Freelancer handeln ihre Entlohnung individuell mit dem Arbeitgeber aus. Die Existenz eines Gleichgewichts in dem Modell wird algorithmisch über einen Gleichgewichtsprozess bewiesen.
Mehr als Lehrer und Forscher
Dass man mit Mathematik mehr machen kann als lehren und forschen, weiß der Schweizer inzwischen aus eigener Erfahrung. Dem Forschen und Lehren bleibt er zwar durch seine Mitarbeit im Forschungsschwerpunkt „Wealth and Risk“ und den Lehrauftrag für Mathematik an der Uni St. Gallen verbunden. Daneben ist er jedoch seit 2007 bei der Firma c-alm AG in der Produktentwicklung tätig und berät Pensionskassen und Versicherungen. In der Schweiz sind die Pensionskassen das zweite große Standbein der Altersvorsorge. Jedes Unternehmen ist verpflichtet, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen die Risiken Alter, Tod und Invalidität zu versichern und schließt sich hierfür entweder einer Sammelstiftung an oder gründet eine eigene Pensionskasse.
Der Fachbegriff lautet „Asset-Liability-Management“. „Wir erfassen alle relevanten Spezifika der Pensionskasse und führen anschließend eine Risikoanalyse durch. Diese macht künftige Entwicklungen und mögliche Instabilitäten transparent. Aufgrund dieser Informationen erarbeiten wir schließlich Vorschläge für die Leistungsausgestaltung wie auch für die Vermögensanlage der Pensionskasse. Bei der Vermögensanlage ist es enorm wichtig, dass sie auf die Verpflichtungen der Pensionskasse (Kapitalbezüge, Altersrenten, Invalidenrenten, Witwenrenten etc.) abgestimmt ist“, erklärt Schiess. „Das ist eine mathematisch und statistisch fundierte Beratung. Ich bin froh, mir ausreichende Hintergrundkenntnisse durch mein Studium angeeignet zu haben.“
Die Beratung von Pensionskassen und Versicherungen ist darüber hinaus eine zukunftsträchtige Branche. David Schiess möchte seine Beratertätigkeit in Zukunft ausweiten. Zum Frühlingssemester 2008 hat er sich deswegen an der ETH Zürich für die Aktuar-Ausbildung der Schweizerischen Aktuarvereinigung (SAV) eingeschrieben. Dank seiner Promotion und dem Studium an der FernUniversität muss er nur noch fünf Kurse absolvieren, um Aktuar, d. h. Versicherungsmathematiker, werden zu können. Er wird die Kurse wieder im Fernstudium bearbeiten – wie man das am Besten schafft, hat er ja bereits an der FernUni gelernt.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de